Calcutta

Auszug aus dem Journal von Bernhard Philipp Berckemeyer (1764-1816)
Transkription (2000) von Carl-Axel Krull nach einer handschriftlichen Kopie (1922) von Ernst Walter. Eine englische Übersetzung finden Sie
hier.

(Bernhard Philipp Berckemeyer hat ca. 1798 das Stammgut Groß-Thurow gekauft. Photos von Groß-Thurow finden Sie hier.)

 

1784 Dec. 25.

Heute morgen ging als den ersten Weihnachtstage zum Gouv. Hastings und machte ihm mein Compliment des heutigen Tages und frühstückte bey ihm und darauf beym Herrn Havercam. Nach dem Frühstück ging zur Kirche, wo eine ziemlich zahlreiche Versamlung war. Aus der Kirche besuchte Herrn Geion und Dr. Gardner und ging zu Mittag zu des Herrn Gouv. öffentliche Mahlzeit im alten Court-Hause, wo eine schöne Mahlzeit gegeben und vom Herrn Gouverneur und der anwesenden Gesellschaft unter Ablösung der Kanonen vom Fort des Königs, der Königin, des Konprinzen, die Ostindische Handlungs-Compagnie, und den Success von Bengalen getrunken ward. Darauf, um 5 Uhr, ein jeder nach Hause ging. Zu Abend ward wiederum ein Ball gegeben, den ich aber nur bis 10 Uhr beywohnete und darauf bey Dr. Gardner zu Abend speisete. Am heutigen Tage sieht man alhier alle Thüren der Häuser mit Laub und Blumen gezieret, desgleichen die Kirchen, die Palanquine.

 

1785 April 2.

Anmerkung der Dienstenlohn, welcher heute publiziret und was man würklich anjetzo bezahlt für Bedienten, die unterstrichenen sind selbige, die ein jeder von Nöthen, der als ein Gentleman erscheint, nemlich.

Consumah pr. Mt. 20 a 25

Jemauldar 8 a 25

Chubdar 6 a 8

Redmutqar 8 a 85

Head Cook 15 a 30

Headbearer 6 a 20

Cooks mate 6 a 22

Bearer 4 a

Coachman 80 a 20

Peon 4 a 6

Waterman to a family R 5 a 20

dto to a single gentleman 6 a 8

Syce 5 a 8

Grasscutter 2 a 4

Mushattehee 4 a

Barber 2 a 4

Hairdresser 6 a 6

Khurtehburdar 4

Matrany 4 a 6

Watmuron besides Cloatts R 2 to R 6

Clya dto R. 2 to R 6

Ehedem da die Engländer Bengalen erst in Besitz nahmen, war die um mehr wie die Hälfte niedriger. So wie aber der Luxus zugenommen, hat dieses auch.

 

1785 April 9.

Da die täglichen Anmerkungen meines Journals nichts besonderes enthalten als vielleicht nur alwo ich gespeiset und den Tag zugebracht, so will ich selbige völlig ablassen und hier eine allgemeine Anmerkung des Landes und der Einwohner, soweit meine Einsicht und Erfahrung gehet, beschreiben und nächtsdem wie es mir bis jetzt gegangen und solches journaliter fortsetzen.

Bengalen ist ein Land, welches sehr fruchtbar und außerordentlich ergiebigt ist, so daß man alle Jahr zwei gewiße und manchmal drey, auch gibts Exempel, daß es 4 Erndten gegeben hat.

Reis ist ein der Hauptprodukte, wovon alle Einwohner sich ernähren, ohne dessen wird noch ungemein viel nach der Coromandelküste, Orixa und Ceylon ausgeführet. Auch holen die Franzosen Reis von Bengalen für die Inseln Mauritius, Madagascar, Bourbon etc. Ungeachtet der Fruchtbarkeit des Landes ist doch im letzten Kriege eine Hungersnoth in Bengalen entstanden, welches durch das Verheeren der Kornfeldern vom Feinde kam. Herr Gouverneur Hastings hat aber anjetzo nahebey Patna ein sehr großes Magazin für Korn errichten lassen, um eine künftige Hungersnoth zuvorzukommen. Dieses Magazin hat seinesgleichen in der Welt nicht. Der Dohm ist größer wie der Dohm der St. Peterskirche in Rom und enthält 3 L... Maunds von Reis oder 24 Millionen Pfund.

Es wird alle drey Jahre ausverkauft und aufgefüllt, wenigstens ist das der Plan. Ob es in Vollführung gebracht wird, weiß man noch nicht.

Der Reis erfordert ein nasses feuchtiges Land und muß fast stets unter Wasser stehn, daher auch wann man eine starcke und lange Regenzeit hat, daß das Land überschwemmt ist oder das der Ganges austritt, so ist die Erndte desto ergiebiger. In trockener Zeit suchen die Einwohner das Land durch Leitgraben oder vielmehr die Reisfelder zu überschwemmen.

Das Flügen des Landes ist sehr leicht, und flügen sie auch nie über einen halben Fuß tief, welches auch genug ist, weilen das Land so sehr fruchtbar und fett ist.

Der Reis wird allgemein durch dem ganzen Lande gebaut. Es giebt auch noch eine etwas schlechtere Art Reis, welcher in morastigen Gegenden, wo das Land das ganze Jahr unter Wasser steht, wächst, und wo die Einwohner keine weitere Mühe von haben, als wann es reif ist, mit Canots oder kleine Fahrzeuge dahin zu fahren und einzuerndten.

Zuckerrohr ist ein Hauptprodukt und wird starck gebauet. Das Rohr wird sehr häufig von den Schwarzen gegessen, und ist in der heißen Jahrzeit sehr kühlend.

Der Puderzucker, den sie machen, ist sehr gut und ziemlich weiß, doch in Vergleich zu bringen mit westindischen. Bengalen pflegte ehedem seinen Zucker von Batavia zu bekommen. Seit den letzten Jahren aber hat der Zuckerbau so zugenommen, daß die Preisen dadurch so gefallen, daß anjetzo den batavischen Zucker gänzlich entbehren können, so daß selbiger mit keinem Vortheil nach Bengalen gebracht werden kann. Es wird anjetzo auch sehr guten Candis Zucker gemacht. Hauptsächlich der so von den Chinesen, welche Zuckerfabricken errichtet haben, gemacht wird, giebt den würcklichen chinesischen weinig nach. Von China wird zwar noch jährlich viel Candis Zucker nach Bengalen gebracht. Es dienet aber nur hauptsächlich für die Tafel der Europäer, weilen er weißer wie der bengalische ist.

Deb Zucker zu rafiniren hat man noch nicht angefangen. Aus dem Rohr wird auch noch viel Rum und Arrack gebrannt.

Salpeter, eins der Hauptprodukten Bengalens wird sehr häufig, hauptsächlich im obern Theil Bengalens, gemacht. L’abbé Reynal giebt eine sehr gute und richtige Beschreibung über die Art der Preparation in seinem « Histoire des Indes ». Der Salpeter wird von allen Nationen jährlich in großen Mengen abgeholet und nach Europa geführet. Der schlechte Salpeter wird im Lande häufig zum Kühlen des Wassers etc. gebraucht.

Opium wird hauptsächlich zum auswärtigen Handel gebraucht. Er wird häufig in den Gegenden von Patna gemacht und sehr gut. Die Engl. Compagnie verkauft gewöhnlich den Opiumcontract als ein Monopolium für 2 bis 3 Jahr. Er wird häufig nach China, aber noch mehr nach der Malayschen und Ostküste geführet und mit großem Vortheil verkauft.

Weizen wird wenig gebauet und nur alleine zum Gebrauch der Europäer.

Erbsen, Gerste und Haber werden nur blos wie der Weizen zum Gebraucht der Europäer gebauet. Letzter beiden wachsen nicht in allen Gegenden und kommen nur in den kältesten Climaten Bengalens fort.

Arrack wird in Menge gemacht vom Tuddy oder abgezogenem Saft des Cocosnußbaums, vom Zuckerrohr und Reis, und wird auch schon als ein Artickel zur Ausfuhr angesehn, hauptsächlich nach der Küste.

Arreck ist eine Nuß, welche sehr hart und astringirenden Geschmack hat. Es wächst auf einen sehr graden, hohen aber dünnen Bäumen, die Schwarzen kauen es. Es ist ein sehr großer Handel damit und wächst in Bengalen sehr häufig.

Der Cocosnußbaum ist alhier auch sehr häufig und zu bemerken, weilen er dem Lande viel Vortheil schaft. Vom Saft des Baumes wird der Arrack gemacht. Die Rinde von der Cocosnuß wird zum Tauschlagen gebraucht, welches den sogenannten Coir giebt. Ein gut geschlagenes Coir-Tau, wenn es in Acht genommen wird, daß kein frisch Wasser dazu kommt, ehe es durch Salzwasser gezogen, hält fast ebenso lange und ist so starck als ein europäisches Tau, welches von Hampf geschlagen. Es ist sehr falscher Begrif, den man dessen wegen in Europa hat, daß die Tauen von der Rinde des Baumes geschlagen werden, welches völlig falsch ist, sondern von der Rinde der Nuß.

Ich will hier noch drey Pflanzen anmercken, welche als Hampf gebraucht werden und auf Bengalisch Dontsia Jonthy und Katshola heißen. Der Herr König giebt sie den Lateinschen Nahmen von Corcharus, Oleraceus und Capeularis. Es ist aber eine noch allgemeinere Hampfpflanze, die Crolataria juncea. Eine Art von Aschynominea, welche alhier häufig in den Feldern gesäet wird. Sie ist annual, wächst ungefähr zwey Mann hoch, kaum eines Fingers Dicke, gleicht sonsten der Aschynomin Setban sehr.

Die armen Idianer essen den Saat, nachdem die Rinde, welches der Hampf ist, abgenommen. Die Stämme werden zum Anfeuren der Schife gebraucht, um das Einsaugen des Theer und Pechs zu befördern.

Die Aschynomene Sesban hat eine Variation von schwarz und rothen Blüthen, welche von denen Eingeborenen gegessen werden. Es färbt ihren Speichel sehr roth und hat daher auch den besonderen Nahmen von ihnen bekommen.

Die Baumwolle. Ein der wichtigsten Produkte Bengalens. Sie wird alle im Lande verbraucht und reicht noch lange nicht zu, denn es wird noch unzählig viel aus des Viziers Landes eigeführet. Gleichfalls auch von der Malabarküste (Bombay). An der Seeseite wächst keine.

Seide wird häufig gesamlet und ausgeführet. Die Gegenden von Cossimbasar, Radanagore und Rungpore liefern das mehrste und die beste. Die Gegenden da umher sind mit Maulbeerbäumen als ein wilder Baum umgeben. An sonstigen Produkten Bengalens, welche noch zur Ausfuhr dienen, ist der weiß und schwarze Anissaat, Ingber, langen Peffer und Indigo zu bemerken. Letztern ist seit einigen Jahren sehr in Perfection gekommen und hat gute Rechnung zur Ausfuhr nach Europa gegeben. Er ist ebenso gut wie der Westindige.

Toback wird ziemlich viel gebauet, reichet aber nicht hin zur Consumation, daher noch von Persien durch den Handel von Bassora viel eingeführet wird.

Oel wird häufig gemacht vom Mustard Saamen und auch ausgeführet.

Die Manufakturen oder Fabricken Bengalens sind zwar nicht mannigfaltig, aber sehr wichtig, worunter hauptsächlich die Katunen zu bemercken. Diese werden im ganzen Lande ohne Ausnahme gemacht. Auf den einen Ort feiner wie auf den andern Ort fabriziret, nachdem wie die Wolle da herumfält.

Dies ist der wichtigste Handelszweig Bengalens, denn die ganze Welt wird mit ihren Waaren versehn. Hauptsächlich die Druckwaaren und der Werth, welcher jährlich hievon ausgeführet wird, ist erstaunlich.Alle Nationen senden Schiffe jährlich nach Bengalen und lassen ihre Produkte holen. -

Die Seidenmanufakturen sind demnächst zu bemercken, selbige sind nur leicht und dünne, aber von schönen Farben, um und in Cossimbasar werden die mehrsten gemacht. Halbseidene Waaren werden sehr gut und fein in den Gegenden von Boglepore gemacht. Daher das Zeug auch den Nahmen hat.

Strumpf-Webereyn sind noch nicht so vollkommen wie die auf der Coromandelküste, dienen auch nur zum einlüste, dienen auch nur zum einländischen Gebrauch.

Es giebt sonst noch viele kleine Manufakturen, so aber nicht merkwüdig und auch mehrentheils außer Landes in des Vizirs Landen sich befinden und dort am vornehmsten sind.

Es sind in verschiedenen Stellen im Lande Pulver- und Papiermühlen errichtet, welche aber nur die groben Arten fabriciren. Auch giebt es eine Kanonen-Gießerey.

Mineralien giebt es im eigentlichen Bengall wenig. In den Gebirgen von Bootan aber findet man sehr gutes Eisen, Siber und Gold. Die Bergwerke aber werden nicht viel bearbeitet, denn die Einwohner von Bootan lassen keine Europäer im Lande. Daß sie selbst ihr Eisen bearbeiten und vorzüglich schön, bin ich Augenzeuge gewesen. Sie machen ganz herrliche Klingen und Gewehre. Keiner von ihnen wird eine Degenklinge oder Hauer an der Seite stechen, wann er mit selbige nicht ein Stück Eisen von ein Zoll im Viereck durchhauen kann, ohne daß es ein Zeichen an der Klinge zurückläßt.

Es wird in den Bootanischen Gebirgen viel Borax gefunden, welcher sehr schön sein soll.

Hölzung giebt es nicht viel, aber viel Buschwerk. Dieses dienet aber nur zum Brennen. Alles Bauholz zum Haus- sowohl als zum Schiffsbau kömt von Pegu. Man findet wohl hie und da einige Bäume, welche dienlich sind, auch schon zum Schiffsbau gebraucht werden. Aber es ist kein Holz von Dauer sondern schwach.

Einen Baum, welchen die Bengalen Gabe nennen (Dr. König nannte ihn Diospyros) ist mir merckwürdig geworden. Dieser Baum hat eine schöne runde Krone, voller Blätter, wie der Mangoes. Dessen sehr nützliche Frucht, wann selbige genugsam bekandt wäre, wird alhier häufig gebraucht. In Bengalen, und wie ich gehört habe, auch auf Ceylon gebrauchen es die Buchbinder zum Leimen, weil es sich in der Regenzeit nicht auflöset und auch nicht von den Würmern gefressen wird. Hyder Ali und Tippoo Saib haben den nützlichsten Gebrauch davon zuerst gemacht, indem er befahl, alle Patronen mit diesem Saft zu leimen und zu überziehen, welches das Pulver vor aller Feuchtigkeit bewahret.

Die auf dem Ganges gebrauchten Fahrzeuge sind mit diesem Saft überzogen, um selbige fürs Rotten und Durchfressen von Würmern zu bewahren. Die Netze der Fischer sind damit entweder schwarz oder braun bemahlt. Alte Leinewand, welche sehr zum Brechen geneigt, wann sie in diesem Saft getaucht wird, erhält sie das Ansehen einer völlig starcken und neuen Leinewand. Welcher Betrug Fremde, so hier auch nicht mercken, häufig ausgesetzt sind.

Die Frucht dieses Baumes ist auch in der Medicine sehr nützlich. Man nimt zum Exempel die jungen Früchte, stößt selbige mit Zucker zu einem Saft, und als dann wird es häufig als ein sicheres Mittel in venerischen Krankheiten beym weißen Fluß etc. gebraucht. Dieser Baum wächst beym Wasser und Gehölzen. Das Holz ist von außen röthlich und schwarz inwendig. Infolge der allgemeinen Beschreibung ist dises der Baum des Ebenen Holzes vom Mauritius, aber nicht so schwer, hart und fein von Texture. Es soll eine Frucht von gleicher Art auf Siam geben, welche von den Einwohnern gegessen und Gontinifera genant wird.

Früchte giebt es in Bengalen zwar häufig, aber meiner Meinung nach kommen sie keiner Europäischen gleich. Die allgemeinsten sind: Die Orangen, Pisanen, Mangoes, Jacks, Atnes, Rose Äpfel, Annanas, Granatäpfel und Guavos. In den oberen Theil Begalens bekömt man manchmal schöne Früchte von der Persischen Gränze. -

Fischerey ist hier sehr einträglich und häufig. doch giebt es keine sehr wohlschmeckende Fische. Der Mangofisch ist der einzigste, den man einen guten Fisch nennen kann, nächst dann den Cockup, welcher dem Cabliau etwas gleichet. Es giebt zwar viele Fischarten, welche als sehr gute Fische gegessen werden, so es aber nach meinem Urteil nicht sind, sondern nur blos gut heißen können, weilen man hier keine bessere hat.

Wild giebt es im Überfluß. Der Tieger ist sehr häufig und gefährlich. Nachdem der wilde Buffalo, welcher gleichfalls die Menschen attacquiret.

Wölfe wird man selten ansichtig.

Schlangen giebt es in großer Menge und von allen Arten. Cubber Kapel ist sehr gefährlich und häufig. Nächstdem die Kubber Manille. Diese beyden fallen den Menschen an und ihr Biß ist tödtlich. -

In denen Revieren giebt es eine den Menschen gefährliche Amphibie. Engl: Aligator Goll, Cayman genant und denen man häufig antrift.

Die Religion der Indianer ist verschieden und in so viele Kasten abgetheilet. Jede Kasten betet ihren eigenen Gott an. Die Haupt-Seckten sind erstlich die Katolicken oder eingeborene Abkömmlinge von denen Portugiesen, daher sie den Nahmen haben. Sie haben zu Calcutta, Serampore, Chandernagore und Bandel eine Kirche. Zweitens die Mohometaries, Gentoos und Hindoos.

Ihre Sitten sind noch die alten Orientalischen, and den Europäischen scheint es, als ob sie sich wohl nie gewöhnen werden. Außerdem verbietet ihnen ihre Religion keine spirituöse Getränke zu trincken und kein Schweinefleisch zu essen. Falls sie eines von beyden essen, verlieren sie ihre Kaste, doch ist zu bemercken, daß sie unter sich lange nicht so scharf darauf halten, als wann Europäer bey ihnen sind. Zum Exempel: Es ist genugsam bekandt, daß ein der reichen Nabobs beständig geräucherten Schinken unter dem Nahmen von Europäisch Schaffleisch zu essen pflegte und Genever unter dem Nahmen von Europäisch Wasser trank.

Es giebt viele von ihnen, die sehr gut Englisch sprechen und schreiben und auch viele englische Bücher lesen. Im allgemeinen sprechen alle Bedienten Englisch. Es ist aber als eine Gewißheit bemerckt worden von allen Europäern, welche eine Zeitlang im Lande gewesen und der Sprache mächtig geworden, daß alle Bedienten, welche die englische Sprache sprechen, gewiß Spitzbuben sind und daß man selten einen ehrlichen Kerl antrift, als der, welcher von Europäischen Gebräuchen entfernt gewesen.

Die Hauptstadt in Bengalen ist Calcutta, der Hauptsitz des englischen Gouvernement. Das hiesige ist das General-Gouvernement aller Englisch-Indianischen Besitzungen. Calcutta an sich ist sehr groß, hat 9 bis 10 Millionen Einwohner. Der Europäische Theil der Stadt ist schön, mehr aber zur Bequemlichkeit und Gesundheit als zum äußerlichen Ansehn gebauet. Eine halbe englische Meile von der Stadt liegt das englische Fort - Fort William genant. Ein so schönes Fort wie man sich nur denken kann. Es ist achteckigt gebauet mit acht Bastionen und mit einem Graben umgeben. Dieses Fort kostet der Compagnie ein Choor Rupie und wird ihnen allezeit als einen sicheren Schutz dienen und ihre Oberherrschaft in Bengalen behaupten.

Calcutta an sich ist sehr gesund und kann ich anjetzo mit Grund widerlegen, was Abbé Raynal und viele andere Schrifsteller davon schreiben, daß die Luft ungesund sey. Welches anjetzo nicht ist, denn seit 4 bis 5 Jahren haben die Engländer die südliche Gegend von Calcutta alle Bäume niedergehauen und die Moraste ausgetrocknet. Und die Luft eine freye Circulation verursachet und wird noch täglich an der Besserung der Stadt gearbeitet, sodaß innerhalb drey Jahren wird Calcutta so gesunde Luft genießen wie nur ein Platz in der Welt.

Die Menge der Europäer sind auch Ursache, daß alhier alle Lustbarkeiten anzutreffen. Wollust und Verschwendung hat hier seinen Sitz. An Prachtsucht einer den anderen auszustechen, doch glaube ich, daß es seinem höchsten Gipfel nahe ist.

Schauspiele, Bälle, Concerte und viele andere Vergnügung giebt es abwechselnd täglich.